Viola Amherds Weg in den Bundesrat führte über kommunale, kantonale und nationale politische Ämter. Die Juristin aus dem Wallis gehörte mehrere Jahre dem Nationalrat an, bevor sie 2018 in die Landesregierung gewählt wurde. Ihr politischer Aufstieg steht zugleich für die zunehmende Präsenz von Frauen in den höchsten Institutionen der Schweiz.

Politischer Beginn im Wallis

Viola Amherd wurde am 7. Juni 1962 in Brig-Glis geboren. Nach ihrer Ausbildung und ihrem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg arbeitete sie als Juristin und Rechtsanwältin. Ihre politische Laufbahn begann auf kommunaler Ebene: Von 1992 bis 2000 war sie Mitglied des Gemeinderats von Brig-Glis.

Im Jahr 2000 übernahm Amherd das Amt der Vizepräsidentin von Brig-Glis. Diese Funktion übte sie bis 2012 aus. Damit sammelte sie früh praktische Erfahrung in der Führung einer Gemeinde und in der Bearbeitung lokaler politischer Fragen. Ihr politischer Hintergrund blieb dabei eng mit dem Wallis und insbesondere mit der Region Brig verbunden.

Vom Nationalrat in die Bundespolitik

2005 wurde Viola Amherd für die Christlichdemokratische Volkspartei, die heutige Partei Die Mitte, in den Nationalrat gewählt. Dort vertrat sie den Kanton Wallis bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat Ende 2018. Während ihrer Zeit im Nationalrat befasste sie sich unter anderem mit Fragen der Rechtsordnung, der Sicherheit, der Infrastruktur und der Beziehungen zwischen den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz.

Ihre langjährige Arbeit im Parlament verschaffte ihr Erfahrung in der Beratung von Gesetzesvorlagen, in Kommissionen und in der politischen Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Anders als manche Mitglieder des Bundesrats kam sie nicht aus einer kantonalen Regierung, sondern aus der kommunalen Politik und dem eidgenössischen Parlament.

Wahl in den Bundesrat

Am 5. Dezember 2018 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Viola Amherd in den Bundesrat. Sie trat ihr Amt am 1. Januar 2019 an und war die erste Frau aus dem Kanton Wallis in der Schweizer Landesregierung.

In ihrer ersten Amtsperiode leitete Amherd das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Zu den Themen ihres Departements gehörten unter anderem die Weiterentwicklung der Armee, der Bevölkerungsschutz, der Zivildienst, der Sport sowie Fragen der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit.

Die Leitung dieses Departements war politisch besonders anspruchsvoll. Sie verbindet langfristige strategische Entscheidungen mit Fragen der öffentlichen Sicherheit und mit einer regelmässigen Rechenschaft gegenüber Parlament und Bevölkerung. Amherds Aufgabe bestand dabei nicht nur in der politischen Vertretung des Departements, sondern auch in der Aufsicht über eine grosse Bundesverwaltung mit unterschiedlichen Zuständigkeiten.

Bundespräsidentin im Jahr 2024

Für das Jahr 2024 wählte die Vereinigte Bundesversammlung Viola Amherd zur Bundespräsidentin. Sie übernahm damit die jährlich wechselnde Funktion, die Sitzungen des Bundesrats zu leiten und die Schweiz bei bestimmten offiziellen Anlässen zu repräsentieren. Die Wahl war zugleich ein weiterer Schritt in ihrer politischen Laufbahn vom kommunalen Amt bis an die Spitze der eidgenössischen Exekutive.

Das Amt der Bundespräsidentin ist in der Schweiz nicht mit einer eigenständigen Regierungsgewalt nach präsidentiellem Vorbild verbunden. Die politischen Entscheide werden weiterhin vom Gesamtbundesrat getragen. Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident führt den Vorsitz und übernimmt zusätzliche repräsentative Aufgaben.

Frauen in Schweizer Spitzenämtern

Amherds Wahl steht in einer Entwicklung, die in der Schweizer Bundespolitik vergleichsweise spät eingesetzt hat. Erst 1971 erhielten Frauen auf eidgenössischer Ebene das Stimm- und Wahlrecht. 1984 wurde Elisabeth Kopp als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Ruth Dreifuss war 1999 die erste Frau im Amt der Bundespräsidentin.

In den folgenden Jahren kamen weitere Frauen in die Landesregierung. Zu ihnen gehörten unter anderem Ruth Metzler, Micheline Calmy-Rey, Doris Leuthard, Eveline Widmer-Schlumpf und Simonetta Sommaruga. 2018 wurden mit Viola Amherd und Karin Keller-Sutter gleichzeitig zwei Frauen in den Bundesrat gewählt. Elisabeth Baume-Schneider folgte 2022.

Der Anteil von Frauen in der Landesregierung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer ausgewogenen Vertretung in allen politischen Ebenen. Im Schweizer politischen System hängt die Zusammensetzung des Bundesrats von den Wahlen der Vereinigten Bundesversammlung, von parteipolitischen Kräfteverhältnissen und von regionalen sowie sprachregionalen Kriterien ab. Auch die Präsenz von Frauen im Parlament und in kantonalen und kommunalen Exekutiven bleibt für die politische Repräsentation entscheidend.

Ein politischer Weg ohne Spekulationen

Viola Amherds Karriere lässt sich anhand klar belegter Stationen nachzeichnen: kommunale Politik in Brig-Glis, die Tätigkeit im Nationalrat, die Wahl in den Bundesrat und die Übernahme des Bundespräsidiums im Jahr 2024. Diese Abfolge zeigt, wie politische Erfahrung auf verschiedenen Ebenen den Weg in die Landesregierung prägen kann.

Ihr Werdegang ist zudem ein Beispiel dafür, dass politische Spitzenämter in der Schweiz über unterschiedliche Zugänge erreicht werden. Amherd brachte Erfahrung aus einer Gemeinde, aus dem Parlament und aus der Parteipolitik mit. Ihre Biografie verbindet damit regionale Verankerung mit langjähriger Arbeit in den Bundesinstitutionen.

Die Einordnung ihrer Laufbahn in die Geschichte der Frauen in Schweizer Spitzenämtern sollte deshalb zwei Aspekte berücksichtigen: Einerseits markiert ihre Wahl einen wichtigen Schritt für die politische Sichtbarkeit von Frauen und des Kantons Wallis. Andererseits bleibt die angemessene Vertretung der Bevölkerung in politischen Ämtern eine fortlaufende Aufgabe, die nicht mit einzelnen Wahlen abgeschlossen ist.